Altern Bucket-List

Brauche ich eine Bucketlist?

BucketList

Wofür brauche ich eine Bucketlist?

Was eine Bucketlist ist, weiß wohl fast jeder. Eine Aufstellung der Dinge, die ich tun will, bevor ich sterbe.

Mir fällt da dieser legendäre und sehr bewegende Film „Das Beste kommt zum Schluß!“ („The Bucket List“) mit Jack Nicholson und Morgan Freeman ein, bei dem sehr schön klar wird, worum es geht: die Ärzte eröffnen Dir, Du wirst bald sterben und auf einmal steht dies unumstößlich deutlich vor Deinen Augen:

  • die Dir zur Verfügung stehende zu knappe Restzeit
  • dass Du Dich jetzt wirklich beeilen mußt, um noch etwas aus Deinem Leben zu machen, dem Leben Sinn zu geben
  • dass Du Dich bisher nur hast treiben lassen und unendlich viel Zeit vertrödelt hast

 

Bucketlist und Alter?

Es ist eine Altersfrage, meine ich. Natürlich spricht nichts dagegen, auch schon in jungen Jahren mit 20 oder 30 eine Bucketlist zu führen (man weiß ja nie, wann die letzte Stunde schlägt!). Allerdings ist man in dieser Periode seines Lebens damit beschäftigt, Sachen auszuprobieren, um einen (erstmal) angemessenen Weg für sich selbst zu finden.

Das bedeutet aus meiner Sicht, dass die Bucketlist junger Leute viel viel mehr in Bewegung sein muss. Sie werden Dinge darauf notieren, von denen sie im ersten Moment überzeugt sind, dass es sich um nicht wegzudiskutierende Ziele im Leben handelt.

Dann werden sie sie ausprobieren und feststellen, dass es wohl ein Irrtum war und diese Punkte einfach wieder von der Liste streichen.

Es ist also eine ganz andere, flexiblere Art, die Bucketlist einzusetzen, weil es in jungen Jahren darum geht, z. B. auch mit einer Bucketlist herauszufinden, wo man eigentlich hin will im Leben.

Sind meine Ziele wirklich meine Ziele, oder glaube ich das nur, weil es mir irgendjemand in meinem Vertrautenkreis so mitgegeben hat? Eltern, Großeltern, Verwandte, Freunde?

Eine Bucketlist könnte hier gut zur Unterscheidung angemessener von unpassenden Zielen dienen.

Bucketlist im Alter

Für uns aus der zweiten Lebenshälfte hat die Liste einen anderen Sinn.

Erst einmal hilft sie Dir, aufzuschreiben, was Du unbedingt noch möchtest, denn in der Regel haben wir mit 50 alles erreicht, bzw. wir bewegen uns in festen Bahnen. Da ist es oft vollkommen abwegig, sich zu fragen, was man denn noch erreichen will?

Ich denke in dem Zusammenhang immer daran, wenn wir Eltern oder Großeltern oder ältere Verwandte fragten, was sie sich denn zum Geburtstag wünschten?

Da kam doch meistens die Antwort: „Ooch, was soll ich mir wünschen!? Ich hab doch alles!“

Unvorstellbar für uns damals – heute mit über 50 ist es klar! Wenn uns unsere Wünsche bewußt sind, dann sind sie meistens nicht mehr materiell, sondern gehen stattdessen vielmehr in die Richtung:

  • was will und muss ich noch erleben?
  • welche Erfahrungen brauche ich noch, bevor ich mein Leben wann auch immer beende

Martin Luthers Zitat mit dem Apfelbaum („wenn ich wüsste, dass ich morgen sterben würde, so würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen!“ – mit meinen Worten)  ist ja hinreichend bekannt und auch andere motivierende Weisheiten gibt es davon genug!

Mich haben solche Weisheiten vor 10 Jahren noch sehr melancholisch gemacht!

„Warum sollte ich aus Gründen der Endlichkeit meines Lebens plötzlich (hyper-) aktiv werden? Damit mir meine eigene Endlichkeit noch viel schmerzhafter bewußt wird?“

Wäre es da nicht viel angemessener, sein Leben ruhig und ohne große Anstrengungen einfach ausklingen zu lassen?

Vor 10 Jahren hätte ich das auch noch mit Ja beantwortet. Mittlerweile weiß ich, dass dies ein Fehler ist, den ich bereuen würde.

Denn der Unterschied zu früher ist: in jungen Jahren konnte ich darauf vertrauen, dass sich schon irgendwas, meistens auch etwas Gutes für mein Leben ergeben wird. Auch ohne klare Ziele für den Moment.

Raus aus den festen unvollendeten Bahnen. Jetzt in diesem Moment! 

Wer heute in der zweiten Lebenshälfte keine Ziele mehr hat und auch nicht über sein Leben reflektiert, der wird tatsächlich keine weiteren, über das Bisherige hinausgehenden Erfahrungen mehr sammeln.

Und ist das nicht das, was „unvollendet“ meint?

Die größte Hürde: dass wir wieder spontan, antriebsstark und risikofreudig werden. Und das heißt:

Einfach mal machen! Jetzt! In diesem Moment!

Und dann stellen wir fest, wie verläßlich und ruhig uns unsere festen Bahnen bisher leiteten.

Also, ja, ich werde meine Bucketlist mit einem der nächsten Blogposts anlegen.

Weil:

  • es mich kreativer macht
  • es mich motivieren wird, mir über meine Wünsche und Träume klar zu werden
  • es mir meine Entwicklung bewusster macht
  • es mir zeigen wird, was ich getrost hinter mir lassen kann
  • es mich frei macht, unbeschwerter nach vorne zu blicken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.