Bucket-List Musik Reisen

Bucketlist – Ton Koopman und Gottfried Silbermann in Freiberg

180920SilbermannOrgelFreiberg

Letzten Donnerstag habe ich meine Bucketlist (die immer noch wächst) in einem weiteren Punkt vervollständigt. Dieser Punkt betrifft Lieblingskünstler,-musiker und-instrumente.

Wobei das Wort „Lieblings“ nicht ganz passend ist! Es sind nicht immer alles Lieblingsdinge, das ist ganz logisch! Denn nicht alles, was ich ausprobieren möchte, kann ein Lieblingsding sein oder werden!

Ich weiß nicht, wer Ton Koopman kennt, aber mir als Klassik-  und Orgelfreund ist der Niederländer aus Leiden natürlich ein Begriff. Ich habe ihn oft im Radio gehört mit seinem Amsterdam Baroque-Orchester und später auch einige CDs mit Koopman gekauft und die von ihm eingespielte Orgelmusik rauf- und runtergehört.

Wenn ich überlege, was mir an ihm gefiel, dann war es immer schon die ungeheure Vitalität und Frische, mit der er spielt. Immer 200 Prozent aufmerksam! Man erkennt Ton Koopmans Spiel sofort!

Und nun hatte ich schon vor einiger Zeit gelesen, dass Koopman an der 300 Jahre alten Silbermann-Orgel im Freiberger Dom spielt und – Bucketlist, Bucketlist – wir überlegten nicht lange, besorgten uns Karten (8 E. pro Person!) und ein Zimmer in Freiberg.

Was den Klang von Silbermann-Orgeln angeht, war ich nie wirklich sicher, ob ich ihn überhaupt beschreiben könnte! So war das oft bei mir: ich wußte, etwas ist berühmt und steht für sich, habe das auch so als Wert übernommen – aber im Grunde konnte ich für mich nie definieren, warum!?

Also ein guter Grund, mal genau – und das live – hinzuhören!

180920TonKoopmanFreibergOrgelprogramm

Was wir sofort erkannten, war der klare und kräftige Klang, gar nicht schreiend. So hatte ich nämlich den Silbermann-Klang immer abgespeichert. Ton Koopman führte mit den ausgewählten Orgelwerken praktisch alles vor, was die Orgel zu bieten hatte.

Und was man generell sagen kann, dass alle Stimmen sehr individuell für sich selbst stehen.

So ließ auch der Gesamtklang die einzelnen Register nicht nur miteinander zu einem Ganzen verschmelzen. Wir hörten schöne kraftvolle und präzise Prinzipale, leuchtende Flöten, die sehr präsent blieben und nicht etwa dumpf und schwach im Hintergrund.

Alle Register, ob nun solo (siehe auch die schönen Zungenregister wie KrummhornTrompete oder mein Liebling die Vox Humana) oder im Plenum, hatten eine große Strahlkraft, waren immer kraftvoll und voluminös. Bisher konnte ich mir das gar nicht richtig vorstellen, der Liveklang aber führte mich zu der Erkenntnis!

Und Ton Koopmans Spiel?

Sehr sehr forsch, impulsiv und unbändig in Bachs Fuge g-Moll (BWV 578) und der Fantasie in G-Dur (572). Das Thema der g-Moll-Fuge nahm Koopman sehr schnell, aber eben auch sehr exakt. Und vor allen Dingen konnte er es auch so schnell beibehalten!

Ungeheuer lebendig, tänzerisch und unbändig spielte er Buxtehudes Fuge C-Dur (BuxWV 174) und dessen Präludium und Fuge D-Dur (BuxWV 139).

Und sehr überzeugend auch die Werke von Bruno und Sweelinck. Sie waren sehr virtuos und detailverliebt.

In einem Interview mit Ton Koopman auf klassikakzente.de las ich eine Formulierung, die mir sehr gut gefällt und den Nagel auf den Kopf trifft. Sinngemäß: „Koopmans unfassbar flinkes Spiel bringt Bachs gewaltiges Orgelwerk zum Tanzen“.

Tänzerisch, das scheint die passende Beschreibung für Ton Koopman. So sieht man ihn sich an diesem Abend auch unzählige Male auf der Empore verbeugen!

Und hier eine ältere Aufnahme mit Ton Koopman im Freiberger Dom:

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