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Camino – „ein jedes Ding hat seine Zeit“

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Seit über einer Woche sind wir nun wieder zurück in Deutschland. Und auch, wenn der Alltag sich ganz schnell wieder einstellte, so blicke ich immer wieder auf sehr interessante Wochen in Portugal zurück.

Ich blicke dabei nicht zurück auf 3 Wochen Camino portugues – so wie es geplant war – sondern ganz anders, auf nur  1 Woche Camino, der eine spontane Planänderung folgte.

Ja, wir haben den portugiesischen Jakobsweg abgebrochen (zu den Gründen habe ich hier ja schon einiges geschrieben), aber dann noch sehr intensive und schöne weitere Wochen an der Algarve und die letzten 2 Tage in Lissabon verbracht.

Es ist wieder einmal alles anders gekommen, als wir gedacht haben. Was aber trotz allem Ärger auch Anlass zur Entspannung gibt. Ich habe mir vorgenommen:

  • generell mal nicht alles so genau zu planen
  • von Tag zu Tag neu zu denken
  • Dinge auszuprobieren und sein zu lassen, wenn es mir nicht gefällt

Unser ursprünglicher Plan – Jakobsweg von Porto nach Santiago innerhalb von 3 Wochen – ist ein gutes Beispiel, um den Unterschied zwischen Plan und Wirklichkeit zu verdeutlichen.

Für mich schien anfangs alles sehr plausibel und ich konnte jedem, der mich fragte, mit wenigen Argumenten erklären, weshalb wir gerade diesen und keinen anderen Jakobsweg gehen wollten. Die zentralen Argumente:

  • ein Weg, auf dem gerade im Oktober viel viel weniger los ist als auf dem „richtigen“ Camino Francés
  • ein Weg, der wegen geringer Höhenunterschiede keine Probleme macht
  • mit ca. 250 km relativ kurz und auf jeden Fall in  3 Wochen zu schaffen

Alles unschlagbare Argumente! Als es dann aber losging, war es der Rucksack, der trotz Gewichtsoptimierung hemmte. Dann die Tatsache, dass der Weg unterkunftstechnisch doch nicht so gut erschlossen war, dass man auch unterhalb einer Tagesleistung von 20 km ein günstiges Guesthouse hätte finden können.

Nachdem wir den Küstenweg bei Vila do Conde verlassen hatten, liefen wir in Richtung des Camino central fast nur noch auf Asphalt weiter.

Vielleicht hätte sich das auch noch eingependelt. Als wir dann aber nach der letzten Übernachtung in einem richtigen Guesthouse in Barcelos wieder in der Situation waren, dass sich innerhalb der nächsten 15 km kein Guesthouse fand, ist es einfach passiert:

„Wir hatten genug und brachen ab!“

1 Stunde Frust und Enttäuschung in der Bahnhofsvorhalle von Barcelos. Dann eine spontane Entscheidung, mit dem Zug an die Algarve nach Faro zu fahren.  Und als wir dann im Zug saßen, und die Landschaft, die wir zuvor durchwandert hatten, an uns vorbeizog, waren wir sehr erleichtert!

Ich habe nicht nur beim Abbrechen des Camino, sondern auch vorher häufig an ein Zitat gedacht, was mir „mein“ Pastor, noch aus einem anderen Anlass heraus, gemailt hatte:

„Ein jedes Ding hat seine Zeit und seine bestimmte Stunde unter dem Himmel!“

Das wurde mir bis dahin immer mal wieder bewußt, wenn es nicht so voranging, wie wir uns das vorgestellt hatten. Und als wir den Camino dann abbrachen, hatten wir auch wieder diese Worte im Sinn. Worte zum Nachdenken. Gut zum Pilgern.

Ich hoffe, es wird klar durch diesen Beitrag! Da waren zum einen unser Plan und unsere Erwartungen, die ganz plausibel klangen. Die Realität war eine andere. Wenn man sich dann dem, was passiert oder auch nicht passiert, fügt, läßt es sich mit den oben stehenden Worten besser ertragen!

Dieses Ding (der Camino portugues Porto – Santiago de Compostela) hatte seine Zeit für uns. Allerdings nur kurz und nicht so lang, wie wir dachten. Vielleicht ist irgendwann dafür noch mal Zeit da, wenn wir in anderer Verfassung sind. Irgendwann vielleicht. Oder aber auch nicht!

  1. Pingback: Lissabon Anfang Mai - fast wie eine kleine Rückkehr

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