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Erster Advent – zwischen Vergessen und Verankern von Leben

181202BlogpostAdvent

Erster Advent 2018: ich liege grippal angeschlagen im Bett und genieße die Wärme und die Ruhe und hoffe, dass ich mich mit diesem Tag der Bettruhe wieder so „einfange“, dass mich die Grippe nicht in der nächsten Wochen ans Bett fesselt.

Und da geht mir am Ende des Jahres so einiges durch den Kopf, das ich hier mal festhalten möchte.

Die Schwelle zum Advent war für mich immer ein Moment des Innehaltens, Verschnaufens und Zurückblickens auf das zurückliegende Jahr. Gepaart mit der Vorfreude auf den festlichen Abschluss des Jahres, die festliche Beleuchtung und die fröhliche, hoffnungsvolle Stimmung überall.  Immer frei von Sorgen – und wenn es doch welche gab, dann habe ich die immer ausgeblendet. Der dunkle, unwirtliche und nichtssagende Januar bot für Sorgen und dergleichen wieder Gelegenheit genug!

„War eigentlich schon immer alles so flüchtig, wie ich es seit einiger Zeit empfinde?“

Das zurückliegende Jahr war sehr ereignisreich an Reisen, Besuchen und Erlebnissen, das muss ich erstaunt und zufrieden feststellen.

Will ich aber diesen Reichtum plastisch vor mein inneres Auge rufen, stelle ich fest: ohne vorher die Bilderordner auf meinem Rechner zu durchstreifen, kann ich die Bedeutung dieser Ereignisse gar nicht richtig erkennen. Sie sind quasi vergessen! Reisen, Begegnungen etc.

Und es ist schon erstaunlich, wie viel Großartiges somit nicht mehr präsent ist im Alltag, wenn nicht konkrete Erinnerungen wie Bilder da sind. Was ich ganz bewußt, plastisch vor meinen Augen habe, ist nur dieser Moment!

Ich will hier aber auch mal von Ereignissen erzählen, die auch ohne Zuhilfenahme von Bildern präsent sind und bleiben werden:

 

Das sind Dinge, die mich fast mein ganzes Leben lang nur oberflächlich berührten, wie z.B.

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob wir Lessings Nathan in der Schule damals behandelten? Wenn ja, dann war der Inhalt für mich sicher nicht greifbar und lebendig genug.

Und er wird auch nicht besonders interessant vermittelt worden sein, wenn ich an unsere Deutschlehrer von damals denke.

Aber „plötzlich“ mit über 50 bin ich offen, begeistert mich die Aussage und der Inhalt dieses Stückes.

 

Immanuel Kants Schriften haben sich mir damals ebenfalls nicht erschlossen. Mich hat seine Art zu schreiben immer abgeschreckt, wenn ich ehrlich bin.

Aber „plötzlich“ mit über 50 treffen mich solche Zitate wie „Bediene Dich Deines eigenen Verstandes“ mitten in Bauch und Herz und entfalten ihre Bedeutung.
Und auch das muss ich unbedingt erwähnen:

 

Jahrelang war es mir ein starkes Bedürfnis, bestimmte, fast 40 Jahre zurückliegende Ereignisse in meiner Familie anzusprechen. Mit verschiedenen Familienmitgliedern zu besprechen. Oder einfach erstmal nur auszusprechen. Ich habe nie wirklich gewußt, welchen Moment dafür auswählen, welche Formulierung dafür nutzen!?

Aber „plötzlich“ – mit über 50 – ist es in den letzten beiden Novemberwochen einfach so passiert – und zwar mit (fast) allen Familienmitgliedern, bei denen es mir wichtig war. 

 

Und daher akzeptiere ich auch die Dunkelheit des 1. Advents heute, so wie ich das zurückliegende Dunkel in meinem Leben mittlerweile ertrage. Ich schätze das, was wir jetzt in diesem Moment an innerem Reichtum und äußerem Glanz haben und weiß, dass sich vieles – wie im vergangenen Jahr auch – im nächsten Jahr verändern und entwickeln wird,  ohne dass ich das jemals planen kann. Ich kann aber loslassen und mir selbst mehr zutrauen!

Schöne Adventszeit Euch!

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