Entspannung

Planung versus Müßiggang

Uwe in der Hängematte Sang Kam Thailand Februar 2019

Wie sieht’s aus? Sollte ich jetzt nicht Radfahren oder Wandern gehen? Oder zumindest mal eine kleine Yogasession einschieben? Och nee, warum denn gerade jetzt? Ich habe den ganzen Tag frei und mich gerade mal schön auf die Terrasse gesetzt! Gut, ich könnte die Frage auch andersherum stellen: warum denn nicht gleich, warum nicht jetzt? Erst Planen, dann Müßiggang? Frei nach dem Motto: erst die Pflicht und dann die Kür!

Wo liegt in diesem Fall eigentlich mein Problem? Diese Aktivitäten wären doch ganz einfach zu planen! Jetzt starten, 2 oder 3 Stunden Radfahren, einen Vor- oder Nachmittag einfach in die Natur zum Spazierengehen? Und für Yoga könnte ich sogar zu Hause bleiben: eine halbe oder eine ganze Stunde und ich wäre wieder frei für meine Terrasse!  

Ja, wo liegt das Problem? Es kann ja kein zeitliches sein. Das habe ich ja eben vorgerechnet. Und gerade während einiger freier Tage wie letzte Woche zu Ostern, wo es keinen auswärtigen Termin gab, wären die Aktivitäten auf jeden Fall unterzubringen!

Folgendes habe ich aber festgestellt: 

Nämlich, dass zwei Prinzipien in meiner Brust miteinander kämpfen. Nicht Wandern, Radfahren oder Yoga an sich sind das Problem. Denn das sind Dinge, die ich gerne mache und die mir immer gut tun. Und über die ich immer froh bin, dass ich sie getan habe (nachdem ich sie getan habe ;-). 

Nein, sondern problematisch ist die Tatsache, dass ich diese Aktivitäten in der Regel genau plane, manchmal auch nur „verplane“, sie einfach in ein viel zu enges Planungskorsett einpresse. Und damit setze ich mich selbst unter großen Druck.  

Einerseits:

es ist oft notwendig, einen Plan für Freizeitaktivitäten zu haben!  

Andererseits:

mir graust vor diesem Plan, und ich tue unterbewußt alles, um den Plan zu torpedieren, mein Pflichtbewusstsein auszutricksen.  

Am Ende dieses Prozesses bleibt dann immer ein sehr unangenehmes Schuldgefühl übrig.

„Schon wieder habe ich meine gesteckten Ziele nicht erreicht, obwohl es doch sehr erstrebenswerte Ziele sind!“ 

Eine Lösung?

Darum an dieser Stelle die Frage:  was wäre, wenn ich Schuldgefühle, immer wenn sie an dieser Stelle entstehen, gar nicht erst zulasse?

Dann hätte ich die Hürden nicht mehr, die aus der Tatsache unüberwindbar hoch wachsen, dass ein „guter Plan für gute Aktivitäten“ existiert. Und die mich natürlich davon abhalten, Dinge zu tun, die ich im Grunde sehr mag. Ich könnte in allem freier und auch aktiver sein. 

Planen als Problem

„Planen“, das ist also das Problem. Wenn ich an Planung denke, dann: 

  • an unendlich lange, ständig zu überarbeitende ToDo-Listen
  • dass es heute fast schon unmöglich ist, Termine oder Projekte zufriedenstellend zu planen – ob nun mit wenigen oder mehreren Menschen
  • an den damit verbundenen Frust, dass Pläne oftmals schön anzusehen sind, sich aber aus Zeit- oder Personalmangel sowieso nicht einhalten lassen 
  • mittlerweile auch an die Schuldgefühle, wenn der Plan (er mag noch so abwegig sein), nicht aufgeht!

Fazit

  • ich weiß – denn das konnte ich schon erfahren und das ist auch mein Impuls: dass ich müßig gehend, ohne detaillierten Plan einfach kreativer und motivierter bin.
  • ich werde daher jetzt einüben, die Dinge öfter auf mich zukommen zu lassen. Ohne einen Plan zu haben. Und sollte mein unterbewußter Geheimdienst aus alter Gewohnheit doch wieder einen Plan hervorzaubern, dann wird er einfach ignoriert.
  • sollte sich detailliertes Planen dennoch nicht vermeiden lassen und dessen Nichteinhaltung zu Schuldgefühlen führen – dann will ich ab jetzt einfach das Schuldgefühl ignorieren und eliminieren. Ich denke, das klappt, wenn ich mir diesen Prozeß nur bewußt machen kann.

Hier eine gute Quelle aus dem Blog Glücksdetektiv:

„Phasen oder Zeiten des Müßiggangs sind also schöpferische Zustände und sogar eine Voraussetzung für Lernen und Kreativität.“

„…in Situationen, in denen ein äußerer Input (Anmerkung: als solchen sehe ich auch das detaillierte Planen der Freizeitaktivitäten) fehlt, beschäftigt sich unser Gehirn vor allem mit sich selbst: Es verarbeitet Gelerntes, sortiert das Gedächtnis und greift dabei auch auf unbewusst aufgeschnappte und längst wieder vergessene Informationen zurück.“

„Daneben fördert Müßiggang die Regeneration: der Blutdruck wird gesenkt, die Durchblutung gefördert, der Energiehaushalt des Körpers verbessert, Stress reduziert und das Immunsystem gestärkt. Müßiggang hilft uns also unsere Batterien wieder aufzuladen und unser seelisches Gleichgewicht zu finden.“

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