Nachhaltigkeit

Werteorientierte Nachhaltigkeit oder nachhaltige Werteorientierung oder was?

republica 2019 Berlin

Nachhaltigkeit – wenn eine „beyond buzzwords“ – Diskussion auch wieder nur in einer solchen endet!

Letzte Woche war ich wie in den letzten Jahren auch, wieder auf der re:publica in Berlin. Anders als noch vor einigen Jahren, als ich größtenteils nur aufgeregt war, an der re;publica teilzunehmen, habe ich dieses Mal wirklich genauer hin- und zugehört. 

Und – Entschuldigung – was soll ich sagen? Es gibt natürlich auch auf der re:publica viel BlaBla!

Dass ich das so feststellen kann, liegt sicherlich auch daran, dass ich schon ein paar Tage älter bin. Und für mich der Verlauf solcher Podiumsdiskussionen wie z.B.  „Digital Responsibility: Beyond Buzzwords – worum geht es hier eigentlich wirklich?  der Grund dafür ist, weshalb wir mittlerweile fast nur noch von Überschriften umgeben sind und es nicht wirklich weitergeht.


„Eine nachhaltige Gesellschaft ist möglich, nur das wäre dann eine andere Gesellschaft!“

Johannes Merck, bei der Otto-Group Holding für die Steuerung aller Nachhaltigkeit-Aktivitäten zuständig (Vice-President Corporate Responsibility, Vorstandsvorsitzender der Umweltstiftung Michael Otto), hatte zu diesem Thema eingeladen. Zum einen Maja Göpel , die Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung (für) Globale Umweltveränderungen und Harald Welzer, Soziologe, Sozialpsychologe und Direktor von FUTURZWEI, der Stiftung Zukunftsfähigkeit.

„Werteorientierung“, „unsere Werte“, „die Verteidigung unserer Werte“. Kurz „die werteorientierte Gestaltung von etwas“ ist ja mittlerweile ein Credo jeder Debatte, die etwas auf sich hält. Oft (und immer öfter) sind diese Begriffe allerdings auch nur reine Buzzwords. 

Als ich Johannes Merck von diesem werteorientiertem Wandel sprechen hörte, fiel mir erstmal nur ein: es wird sicherlich weiterhin vorrangig um Gewinn- und Effizienzoptimierung gehen – nur dass man es als „werteorientiert“ kommuniziert. Denn das ist kommunikativ geschmeidiger, politisch korrekter und klingt außerdem besser. Dieser Eindruck hat sich in Bezug auf Johannes Merck bestätigt, wie sich am Ende der Diskussion zeigte.

In seiner Einleitung hatte Johannes Merck noch offen gefragt, ob im Sinne von „digital responsibility“ Unternehmen auf Politik Einfluß nehmen oder sie erst darauf warten müßten, bis die Politik die Rahmenbedingungen dafür setzt.

Für Merck muss die Antwort schon vor der Diskussion festgestanden haben. Nachdem sich die Diskussion dank Maja Göpel und Harald Welzer in Richtung „die Unternehmen könnten ja einfach mal machen und die Politik in „diese“ Richtung bewegen“ entwickelte, konnte Merck nur noch feststellen, dass es mit der gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen ja alles nicht so einfach sei, wie man sich das immer vorstelle. Schließlich müsse ja auch Geld verdient werden!!

Ja, natürlich muss auch Geld verdient werden. Aber, wozu dann überhaupt die Diskussion?


„Disruptiv ist nicht, dass mein Kühlschrank Milch bestellen kann!“

Gut aber, dass Mercks Mitdiskutanten Göpel und Welzer hießen!!

Maja Göpel entgegnete auf Mercks „nicht einfach, weil Geldverdienen“- Satz, dass man die Probleme ja auch mal systemischer angehen könnte. Ein Problem sei, dass wir auch Werte nur noch finanziell in Zahlen ausdrücken könnten.

Und Harald Welzer nahm aus meiner Sicht den klarsten Standpunkt dieser Diskussion ein: „eine nachhaltige Gesellschaft ist möglich, nur das wäre dann eine andere Gesellschaft!“ 

Wir hätten uns darauf geeinigt, dass die Welt gut sei, so wie sie ist. Und für die Probleme, die es  mittlerweile zu Hauf gibt, gründeten wir dann irgendwelche Institutionen, die sich damit beschäftigen müssten!


Man könnte unsere Probleme ja auch mal systemischer angehen!

Dabei müsste man auch ganz klar feststellen, dass die Digitalwirtschaft das Leben nicht besser gemacht hätte, sondern den Konsum immer weiter beschleunige. Menschen werden stetig zugeballert, sollten anscheinend auch nicht mehr selbst denken. 

Die Implementierung digitaler Technologien hätte somit die Verletzlichkeit der Gesellschaft noch mehr erhöht und zu einem weiteren Verlust der Selbststeuerungsfähigkeit geführt. 

„Disruptiv ist nicht, dass mein Kühlschrank Milch bestellen kann, sondern die zu erwartende Erderwärmung um 2 Grad – und, dass bald  75% der Insekten verschwunden sein werden, wenn wir nichts tun!“ 

Eine Debatte, die unbedingt weitergehen muss – aber wirklich „beyond buzzwords“!

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